Das letzte Urteil – Was wußte der Ottnanger SS – Mann Johann Vinzenz Gogl?

Johann Gogl meldete sich im Frühjahr 1940 zur Waffen-SS und war ab Herbst im KZ Mauthausen und seinen Nebenlagern Loiblpass und Ebensee als Aufseher tätig. Bis 1971 führte Gogl als Uhrmachermeister in Ottnang am Hausruck (OÖ) ein unscheinbares Leben. Obwohl Simon Wiesenthal bereits 1964 Anzeige gegen Gogl erstattet hatte, wurde dieser erst 1971 – nachdem die deutschen Ermittlungs-behörden Unterlagen über Gogls Verbrechen in den KZ Mauthausen und Ebensee zur Verfügung gestellt hatten – verhaftet.

Am 10. Mai 1971 erhob die Staatsanwaltschaft Linz Anklage gegen Gogl:

  • wegen der Ermordung von Angehörigen eines aus alliierten Fallschirm-springern gebildeten Steineträgerkommandos, wegen der Ermordung von Angehörigen der Widerstandsgruppe »Welser Gruppe« sowie wegen der Ermordung zahlreicher weiterer Häftlinge im KZ Mauthausen;
  • wegen der Ermordung mehrerer Häftlinge im KZ Ebensee.

Am 4. Mai 1972 wurde Gogl trotz belastender Beweise in allen Anklagepunkten freigesprochen. Aufgrund einer Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft Linz wurde das Urteil 1973 durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben und an das Wiener Landesgericht verwiesen.

Über 3 Jahre später wurde der Prozess gegen Gogl vor dem Landesgericht Wien erneut aufgerollt. Aber auch hier fällten die Wiener Geschworenen am 2. Dezember 1975 einen Freispruch. Dieser Freispruch war das letzte Urteil, das in Österreich wegen eines NS-Verbrechens gesprochen wurde.

Johann Vinzenz Gogl war also ein weiterer SS-Mann aus dem Hausruck der sowohl in Mauthausen als auch in Ebensee „tätig“ war. Wußte er etwas über die geheimen Flugscheiben? Welches Wissen nahm er von Ebensee in den Hausruck mit?

Das Nebenlager Ebensee wurde auf Befehl Hitlers erbaut, nachdem in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 die wichtigsten Produktionsstätten für die V2-Raketen durch britische Luftangriffe auf Peenemünde-Ost in der „Operation Hydra“ zerstört worden waren. Hitler verlangte von seinem Rüstungsminister Speer, dass die Produktionsstätten in unterirdische Stollen verlegt werden sollten. So beschloss der Rüstungsrat, Untergrundfabriktunnel am Hochkogel und Erlakogel, oberhalb des Traunsees anlegen zu lassen. Hans Kammler wurde mit der Durchführung beauftragt.[1] Zwei Monate später, am 8. November 1943, wurden die ersten Häftlinge in die Nähe der Ortschaft Ebensee verlegt, um Häftlings- und Werkstättenbaracken zu bauen. Als Tarnnamen für diese KZ-Anlagen wurden „Zement“, „Kalksteinwerke“, „Solvay“, „Dachs II“ oder „Taube I“ gewählt. Die Häftlinge mussten unter größten körperlichen Anstrengungen innerhalb kürzester Zeit die Stollen bis zu 250 Meter in den Berg hineintreiben. Das gesamte Stollensystem war durch ein Schienensystem untereinander verbunden. Es sollte ein Raketen-Entwicklungswerk mit Prüfständen entstehen, wo das Aggregat 9 „A9“ produziert werden sollte, und Ende 1944 wurde in den Ebenseer Stollen mit der Errichtung einer Schmierölraffinerieanlage begonnen. Die Raffinerie begann dann auch im Februar 1945 zu produzieren. Letztendlich sollten noch im Frühjahr 1945 in der Anlage B Motoren für Panzer und Flugzeuge hergestellt werden.

Nach der Zerstörung des Bahnhofs in Attnang-Puchheim wurde die sogenannte „Todeskolonne“ täglich teils per Viehwagen, teils zu Fuß zum Bahnhof transportiert, um ihn wieder aufzubauen.

In der Zeit von November 1943 bis Mai 1945 starben im KZ Ebensee 8.745 Häftlinge. Ende April 1945 gab es 18.437 Häftlinge in Ebensee. Einen Tag vor der Befreiung des Lagers, am 5. Mai 1945, versuchte der Lagerkommandant noch, die Häftlinge in die Stollen zu treiben. Sie leisteten allerdings so stark Widerstand, dass der Lagerkommandant das Vorhaben fallen ließ.

Am 6. Mai 1945 wurde das Lager Ebensee von Soldaten der US 80th Infantry Division, einer Panzerdivision der 3. US-Armee befreit.

Quellen: http://de.doew.braintrust.at/b150.html und http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Ebensee

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Über antonsalzer

Als Physiker beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit verschwundenen Erfindungen und Technologien und der Lebensgeschichte der Erfinder und Entdecker dahinter. Vieles davon ist nicht nur Verschwörungstheorie Being a physicist I'm focusing since more than 30 years on stories about discoveries and inventions that have been tucked away, stolen or suppressed. Believe me much of these are not just conspiracy or fantasy. Zeige alle Beiträge von antonsalzer

4 responses to “Das letzte Urteil – Was wußte der Ottnanger SS – Mann Johann Vinzenz Gogl?

  • molino

    zum Gogl-Prozess 1972 / 1975: Dass es „das letzte Urteil, das in Österreich wegen eines NS-Verbrechens gesprochen wurde“ sei, mag aus einer älteren Quelle stammen, denn bekanntlich gab es dann – weit später – doch noch den Gross-Prozess u.a. kleinere Verfahren

  • molino

    noch aus NS-Täter, der im Hausruck „untergeschlüpft“ ist:
    „Auch SPÖ-Justizminister Christian Broda bekräftigt anlässlich des Prozesses gegen den Eichmann-Mitarbeiter Egon Schönpflug, wie bedauerlich solche Verfahren so lange nach Kriegsende für Österreich seien. Beim Prozess gegen Schönpflug kommt es zu weiterer politischer Einflussnahme: Schönpflug, Personalchef der verstaatlichten Wolfsegg-Traunthal-Werke, wird von einem SPÖ-Abgeordneten verteidigt, der Betriebsrat kommt für dessen Honorar auf.“

    aus: Profil 21.9.2003

    http://www.profil.at/articles/0338/560/65152/ns-verbrechen-operation-chance

  • molino

    erster Satz soll heißen: Noch ein NS-Täter, der im Hausruck …

  • molino

    zu Gogls letzten Lebensjahren: Er war selbständiger Uhrmacher in Ottnang am Hausruck und Hausbesitzer. Unbehelligt konnte er seine letzten Lebensjahre genießen, der Herr Verbrecher

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